Der falsche Freund

Viele lange Wochen warst du bei mir,

an meiner Seite Jahr für Jahr,

an schlechten Tagen warst du hier,

du fingst mich auf, egal was war.

Ich habe mich auf dich verlassen,

hab dir mein Leben anvertraut,

dabei gelernt dich nicht zu hassen,

und mir den klaren Blick verbaut.

Du hast gegeben, ich genommen,

so manche Nacht sind wir versackt,

bin viel zu spät erst drauf gekommen,

du hattest mich am Arsch gepackt.

Ein Freund, das bist du nie gewesen,

doch war die Lüge gut getarnt,

so viele andere haben hier gesessen,

und wortreich mich vor dir gewarnt.

Ich dachte nur, ach lass sie sprechen,

sie kennen deine Freundschaft nicht,

wollte niemals mit dir brechen,

und lachte ihnen ins Gesicht.

Sie waren fort und wir alleine,

ich hob das Glas und trank auf dich,

und meist trank ich nicht nur das eine,

nein, meistens da besoff ich mich.

So nahmst du mir nicht nur die Seele,

du stahlst mir auch noch den Verstand,

ich merkte nicht, wie ich mich quäle,

sah sie nicht zittern, meine Hand.

Jetzt hab ich deine Macht erfahren,

ich sah am Tor den schwarzen Mann,

er hatte mich schon bei den Haaren,

und sagte laut, jetzt bist du dran.

Die letzte Chance war zu schwören,

dass ich nie mehr an Glas anrühr,

versuchst mich weiter zu betören,

doch ich weise dir die Tür.

Ein falscher Freund, ganz ohne Gnade,

und wer ihm folgt, den lügt er voll,

mit seiner schönen Maskerade,

verfällt man schnell dem Alkohol!

4 Kommentare zu “Der falsche Freund

    • Danke schön, manchmal muss man auch die ernsteren Themen zu Wort kommen lassen. Wenn das dann von der Umsetzung gefällt, ist es auch eine Bestätigung, dass man über diese Sachen schreiben kann!

  1. Nach neun Jahren in der Arbeit mit Alkoholkranken kann ich nur sagen: sehr sehr treffend beschrieben und betroffen machend! Die Schäden, die Alkoholmissbrauch überJahre im menschlichen Gehirn anrichten kann, sind kaum vorstellbar. U.a. hatten meine Klienten teilweise kein Kurzzeitgedächtnis mehr und verhielten sich wie Demenzkranke. Und das ist irreversibel…
    Ist es unverschämt, auf 2 kleine Tippfehler hinzuweisen?? Einmal „bei den Haaren“ und danach „weise Dir die Tür“.
    Lieben Gruß, Miriam

    • Hallo Miriam, zunächst mal danke für den Hinweis auf die Tippfehler, da sieht man das man sich nicht auf den Dudenkorrektor verlassen kann, hätte selbst nochmal lesen müssen vor dem Posten.
      Die Sache mit dem Alkohol kann ganz schön an die Nieren gehen, wenn da jemand betroffen ist, der dir wichtig ist, ich habe vor Jahren für mich die Kurve gekriegt, ehe es Ernst wurde. Aber mancher schafft das nicht, aus den unterschiedlichsten Gründen, wenn man dann merkt, wo da die Reise hingeht und es nicht verhindern kann, das ist frustrierend.
      Gottseidank kam irgendwann der Moment, an dem die schmerzhafte Einsicht stand und bis jetzt hält das wohl an, die Situation ist halt schwierig, wenn da auf einer Feier jemand ist, der nicht mehr darf, das ist manchen schwer zu vermitteln.
      Wir sehen uns nur noch selten, aber für mich war da auch ein Lerneffekt, ich achte auch mehr darauf, dass es sich bei mir in Grenzen hält, die Zeit der jungen Wilden ist ja auch vorbei … griiins!
      Liebe Grüße, Jürgen

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