Ein ganz normaler Montag mit Hartz IV

Montag, du wachst auf, neue Woche, altes Elend,

der Himmel ist grau, die Straße nass und leer,

die Sonne hat heute keine Lust, genau wie du.

Du hast einen Termin, bei der ARGE, du bist spät,

hast lange wach gelegen, du weißt, was kommt.

Hast im letzten Monat nicht dein Soll erfüllt,

solltest zwölf Bewerbungen schaffen, waren nur neun.

Das Gerede kennst du schon, sie wird dir wieder drohen,

Kürzung der Bezüge für drei Monate, 10% weniger.

Zehn Prozent weniger von fast nichts, Strafe! Wofür?

Dafür das es keine Jobs gibt, obwohl die Wirtschaft wächst?

Du wirst bestraft, weil immer mehr Jobs wegfallen,

werden ins Ausland verschoben, weil es billiger ist,

die Menschen dort haben noch weniger Rechte.

Deswegen müssen sie bei der Arbeit hungern,

sie kriegen noch weniger als das nötigste,

arme Schweine, aber sie wissen es nicht besser,

du schon, das soll sich ändern. Hungerlöhne,

der sogenannte Niedriglohnsektor, Leiharbeit,

oft Ausbeutung, Kündigungsschutz ein Märchen.

Aber das ist nicht Asien, nein, das ist Deutschland.

Die systematische Aushöhlung des Arbeitsrechtes,

die schlichte Missachtung geltender Tarifverträge.

Und wem es nicht passt, Rausschmiss, irgendwie,

man findet einen Weg, ganz sicher, Mopping, oder so.

Und dann, der neue deutsche Sozialstaat, Hartz IV,

als Schmarotzer und Faulenzer, als notorischer Säufer,

abgestempelt und aus der Gesellschaft gedrückt.

Wer sich nicht ausbeuten lässt, wer nicht mitzieht,

wer den Druck nicht aushält, wen die Last zerbricht,

der wird diffamiert, der ist nichts Wert.

Verhältnisse wie in der guten alten Zeit, Sklaverei,

verboten, leider, aber wen stört es.

Du gehst zur ARGE, bist fünf Minuten zu spät,

keiner merkt es, musst warten, eine halbe Stunde,

dann holst du dir die Packung, versprichst Besserung,

bekommst keine Jobangebote und kannst gehen.

Jetzt hättest du Lust dich zu besaufen, richtig heftig,

dem Klischee zu Geltung verhelfen, einmal nur.

Aber, wie soll das gehen, von Hartz IV?

Ach so, die Politik hat ja keine Ahnung, wo her auch!

2 Kommentare zu “Ein ganz normaler Montag mit Hartz IV

  1. Ich fand es immer sehr erhebend, wie überaus hilfreich das Arbeitsamt war, sowohl als ich einen Jobs suchte, als auch letztlich bei meinem Mann.
    Kein Fahrkostenübernahme für ein Praktikum, ohne Übernahme in eine Anstellung nach höchsten 3 Monaten, keine Vorschläge, nichts. Ich bin froh eine Stelle gefunden zu haben, auf eigene Faust. Aber nun können Sie meinem Mann nicht helfen. Ich verdiene zu viel.

    Arbeitslos in Deutschland ist keine schöne Sache 😦 Du hast mein vollstes Mitgefühl.

    • Hallo und herzlich willkommen in meinem Blog,
      tja, die Herrschaften vom Amt, die können sich oft noch nicht mal selbst helfen, aber sie heben es auch nicht immer einfach.
      Das Gedicht ist eher eine Verarbeitung verschiedenen Erfahrungsberichten. Ich bin zwar selbst zurzeit auch mal wieder arbeitssuchend, aber so tragisch wie in dem Text ist es dann doch nicht (Gott sei Dank).
      Grüße
      Jürgen

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